Autor.in: Daniel Hechler

Hochschule und Profession

Das Heft 1/2005 will eine profes­sionalisierungs­theoretische Diskussion im Kontext der Hochschul­forschung anstoßen. Bislang haben professions­soziologische Analysen kaum Eingang in die Debatte um Hoch­schulen und ihre Reformen gefunden. Dies scheint aber aus zweierlei Gründen notwendig. Zum einen bedarf es dringend einer Kritik des hochschul­politischen Profes­sionalisierungs­jargons. Denn im Kontext der ein­ge­leiteten Struktur­veränderungen im deutschen Hochschul­wesen scheint die Be­rufung auf den Profes­sionalisierungs­begriff einem Legitimations­interesse geschuldet. Die klassischen soziologischen Modelle einer profes­sionalisierten Berufs­praxis werden dabei geradezu konterkariert: die geplanten Reformen, die regelmäßig als Profes­sionalisierung der Hochschulen ge­priesen werden, sind auf alles andere ge­richtet als auf die Stärkung einer profes­sions­ethisch gebundenen, eigen­logischen, beruflich autonomen Handlungs­sphäre von Forschung und Lehre.

Konditionen des Studierens

Der Schwerpunkt dieses Hefts lenkt den Blick auf die Be­dingungen des Studierens. Mit Beiträgen über den Hoch­schul­zugang, die Studierenden, die Be­dingungen des Lernens und die Hoch­schul­finanzierung werden einige Wider­sprüche der aktuellen hoch­schul­politischen Debatte beleuchtet.

Gestaltung von Hochschulorganisation. Über Mög­lich­keiten und Un­mög­lich­keiten, Hoch­schulen zu steuern

Bislang eine erstaun­lich ver­nach­lässigte Frage­stellung der Hoch­schul­forschung: Wie sind Hoch­schulen intern orga­nisiert und wie funktioniert ihre Binnen­steuerung? Wenn Fragen der Hoch­schul­orga­ni­sation dis­kutiert wurden, dann in Hin­blick auf Leitungs­strukturen und Kontrakt­ma­nage­ment; andere formale und informelle Aspekte der Hoch­schul­orga­ni­sation blieben da­gegen weit­gehend unter­be­lichtet.

In dem Themen­schwer­punkt dieses Hefts liegt der Fokus auf dieser ver­nachlässigten Binnen­per­spektive der Hoch­schule als Orga­ni­sation. Im Grunde handeln alle Bei­träge des Themen­hefts von den Möglich­keiten und Un­möglich­keiten, Hoch­schulen von innen heraus zu steuern. In drei Ab­schnitte können die Auf­sätze im Themen­schwer­punkt ein­ge­teilt werden: Erstens wird das Steuerungs­problem aus der orga­ni­sations­theoretischen Per­spektive dis­kutiert. Zweitens be­schäftigen sich einige AutorInnen mit speziellen Problemen der Orga­ni­sations­gestaltung, wie dem Zu­sammen­hang von Hoch­schul­ma­nage­ment, Budgetierung und Orga­ni­sations­strukturen. Drittens werden Geschichte, Gegen­wart und Reform­bei­spiele der Fakultäts­gliederung und Fach­bereichs­schneidung vorgestellt.

Warten auf Gender Mainstreaming. Gleichstellungspolitik im Hochschulbereich

Gleich­stellungs­politik ist kein neues Thema im Hoch­schul­be­reich; neu sind hin­gegen die Strategien, die zum Ziel der Gleich­stellung führen sollen. Etikettiert werden diese Strategien mit modern und profes­sionell klingenden Be­griffen, die aller­dings dem inte­res­sierten Publikum weitgehend unbekannt sind. Mag das Konzept “Gender Main­streaming” mittler­weile einiger­maßen geläufig sein, so stoßen Be­griffs­konstruktionen wie “Managing Diversity”, “Gender Mentoring” oder gar “Gender Impact Assessment” zumeist auf Un­kenntnis. Hier tut Auf­klärung not. Die Ver­mitt­lung von gleich­stellungs­politischem Reform­vokabular ist aber nur das eine, das andere ist die Analyse der Chancen, Risiken und Neben­wirkungen dieser neuen Strategien der Gleich­stellungs­politik. Beides hat sich dieses Heft zur Auf­gabe gemacht.

Grenzüberschreitungen. Internationalisierung im Hochschulbereich

Inter­nationa­lisie­rung ist an sich kein neues Thema im Politik­feld Hoch­schule, aber die Ent­wicklungen der letzten Zeit, Stich­wörter hier­zu sind GATS (General Agreement on Trade in Services), und der fort­schreitende sog. Bologna-Prozess, der ins­besondere eine “Harmonisierung” der Studien­gänge in Europa forciert, drücken das Thema weiter­hin nach ganz oben auf die hoch­schul­politische Tages­ordnung.

Jenseits der – zwangs­läufig recht ober­flächlichen – tages­politischen Dis­kussion werden in den Beiträgen dieses Heftes zum Themen­schwer­punkt “Grenz­über­schreitungen – Inter­nationa­lisie­rung im Hoch­schul­be­reich” ver­schiedene Probleme der Europäisie­rung, Inter­nationa­lisie­rung und Globa­li­sier­ung aus der Per­spektive der Hoch­schul­forschung wie auch der Hoch­schul­praxis ein­gehend er­örtert.

die hochschule 2/2002

Das Heft bietet eine vielfältige Palette von grundlegenden Aufsätzen zur Hochschulforschung, Hochschulreform und Hochschulpolitik.

Den Anfang macht Reinhard Kreckel, der mit seinen 12 Thesen zur Universitäts­reform das tat­sächliche und zukünftige Verhältnis von Universitäten und Fach­hoch­schulen genauer be­leuchtet. Zu diesen 12 Thesen nehmen Detlef Müller-Böling und Johanna Wanka kritisch Stellung. Neben weiteren Beträgen zu den Grund­satz­diskussionen um Hoch­schulen, Qualität und Organisation gibt es Auf­sätze zu Aspekten der DDR-Ver­gangen­heit sowie einen Länder­bericht zur Lage und zur Ent­wicklung der Hoch­schulen in Belarus.